Die aktuelle Stellungnahme von SPD-Fraktionschef im Landtag, Christoph Matschie, zum Wirtschaftsbericht Deutschland, 2008 der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) (TLZ vom 9.4.2008 berichtete) zeigt, wie weit sich die Kritik an der Thüringer Familienpolitik von den Interessen der Eltern und dem Kinderwohl entfernt hat.


Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), hat sich in ihrem Bericht mit der deutschen Bildungspolitik insgesamt beschäftigt. Eine Auseinandersetzung mit der Thüringer Familienoffensive erfolgte nicht. Die internationale Studie zeigt, dass "die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung erhebliche Auswirkungen auf das Lernen in späteren Bildungsstufen hat, insbesondere bei Kindern aus sozial schwächeren Familien". Laut OCED bestand diese Problem allerdings schon vor der Einführung von Erziehungsgeld. "Wir sind Familie" unterstützt die Forderung der OCED "die zuständigen Behörden sollten mehr darüber in Erfahrung bringen, warum Eltern mit niedrigem Bildungsniveau der Teilnahme an frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung weniger Gewicht beimessen als andere Eltern, damit wirkungsvolle Strategien identifiziert werden können, um die Kindergartenbesuchsquoten der fraglichen Kinder ab drei Jahren zu erhöhen."
Betont wird außerdem, dass es für Kinder mit Migrationshintergrund wichtig ist durch einen Kindergartenaufenthalt die deutschen Sprachkenntnisse zu verbesseren. Nachholbedarf bei der Schaffung von Kindertageseinrichtungen besteht aus Sicht der Elterninitiative vor allem in den alten Bundesländern. Das Thüringer Landeserziehungsgeld wird nur an Eltern mit Kindern bis zum vollendeten dritten Lebensjahr gezahlt und tangiert somit nicht die Forderungen der OECD.


Neuere Studien belegen immer wieder, dass für Kinder bis drei Jahre Bindung wichtiger ist als Bildung. "Das Aufwachsen in der Familie ist ein wichtiger Stabilitätsfaktor und so Basis für die weitere positive Entwicklung des Kindes" meint die Erfurter Ärztin Dr. Ines Pistner, Mitglied der Initiative "Wir sind Familie". "Deshalb ist es wichtig das die bedeutende Erziehungsarbeit von Eltern und die Betreuung von Kindern in der häuslichen Umgebung finanziell unterstützt wird. Grundsätzlich kann sich eine Familienpolitik nicht an schwarzen Schafen ausrichten. Nur weil es wenige Familien gibt, die das Landeserziehungsgeld nicht im Sinne des Kindeswohles einsetzen, ist nicht gleich das ganze Gesetz schlecht."


Dr. Ines Pistner betont, „immerhin wählen Dreiviertel aller Eltern trotz Einführung des Landeserziehungsgeldes eine Betreuung durch eine öffentlich geförderte Einrichtung“. Mit dieser Betreuungsquote ist Thüringen Vorbild im Bundesvergleich mit einer Fremdbetreuungsquote für alle unter 3 jährigen in Höhe von 36, 8 %. Die Betreuungsquote für das Alter von 2 – 3 Jahren zeigt noch deutlicher, wie gut die Betreuungsangebote in Thüringen trotz des Landeserziehungsgeldes von Eltern angenommen werden. Hier lag die Quote für das Jahr 2007 bei 73,4 %.


Beispielhaft sei die Stadt Erfurt für Thüringen genannt. In der Stadt Erfurt gab es im Jahr 2007 7.294 Kinder bis zum Alter von 6 Jahren. Lediglich 26 Kinder wurden im Alter zwischen 2 und 3 Jahren nach Einführung des Landeserziehungsgeldes im Jahr 2007 aus öffentlichen Einrichtungen abgemeldet. Nach Prüfung durch den Ausschuss für Soziales und Jugend der Stadt konnte nicht in einem dieser Fälle eine Vernachlässigung durch die Eltern festgestellt werden.


Ein Artikel in der "WELT" (26.3.2008) unter der Überschrift "Familienpolitisches Musterländle" zeigt, dass die Außensicht auf Thüringen deutlich positiver ist als die rein parteipolitisch geprägte Kritik der Landtagsopposition.

 

Grundlage der PM war die OECD-Studie Wirtschaftsbericht Deutschland 2008

 

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Zitat des Tages:

Meine ganze Kindheit war schön und gut. Deshalb bin ich auch ein harmonischer Mensch geworden.

Hans-Joachim Kulenkampf (1992)